Historie

Damals und heute: Der Fachbereich im Wandel der Zeit

1919 – Aufnahme des Lehrbetriebs an der Nürnberger Handelshochschule

Findelgasse_Ursprung

Der repräsentative Neorenaissancebau des Handelshochschulgebäudes (1916)

Die Geschichte einer in Nürnberg ansässigen Hochschule reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Schon damals war man bemüht, die neuen Wissenschaftsgebiete Wirtschaft und Technik akademisch in Nürnberg zu institutionalisieren. Es sollte jedoch bis 27. Mai 1918 dauern, bis schließlich die „Freie Hochschule für Handel, Industrie und allgemeine Volksbildung“ in Form einer Stiftung gegründet wurde. Diese nahm zum Wintersemester 1919/1920 als „Handelshochschule“ im Gebäude Findelgasse 7 nach der Zustimmung durch den Nürnberger Stadtrat und die ministerielle Genehmigung den Lehrbetrieb mit anfänglich 180 Studierenden auf.


1923 – Prominente Repräsentanten der Handelshochschule

Mittlerweile konnte sich die Handelshochschule an steigenden Studierendenzahlen erfreuen. Als Student mit der Matrikelnummer 9, schloss Ludwig Erhard (Zweiter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland) 1923 sein Studium an der Handelshochschule ab. Gleichzeitig wurde Wilhelm Rieger als Dozent von Ludwig Erhard bekannt und prägte den Lehr- und Forschungsbetrieb der Handelshochschule im Bereich Betriebswirtschaftslehre. Dies gelang aufgrund der gemeinsamen Arbeit mit Wilhelm Vershofen. Dieser gründete die spätere Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Zusammen trugen sie mit ihren Forschungsergebnissen dazu bei, dass die Betriebswirtschaftslehre fortan auch unter dem Namen „Nürnberger Schule“ bekannt war.


1925 – Gleichstellung der Hochschule

Findelgasse_Vorhalle_1940

Vorhalle des Hochschulgeäudes in der Findelgasse (1940)

Das Jahr 1925 brachte für die Handelshochschule zweierlei Veränderungen mit sich. Zum einen erhielt sie die Genehmigung der Rektorats- und Senatsverfassung und war somit gleichgestellt zu anderen deutschen Universitäten. Dem folgten 1927 das Habilitationsrecht für Betriebswirtschaftslehre, 1930 das Promotionsrecht und 1931 das Habilitationsrecht für die Handelshochschule. Zum anderen wurde 1925 die Bezeichnung „Handelshochschule“ mit dem Untertitel „Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ ergänzt. Ab 1933 wurde die Institution während der NS-Zeit zunächst in „Hindenburg-Hochschule (Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) Nürnberg“, 1939 dann in „Hindenburg-Hochschule Stadt der Reichsparteitage Nürnberg. Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ umbenannt.


1945 – Neuanfang nach den Kriegsjahren

Das Hochschulgebäude am Ende des Zweiten Weltkrieges

Das Hochschulgebäude am Ende des Zweiten Weltkrieges

Das schwer zerstörte Gebäude machte den Lehrbetrieb nach dem zweiten Weltkrieg nicht leicht. Der Hochschulbetrieb fand deshalb zunächst mit nur einzelnen öffentlichen Vorträgen in Ausweichquartieren statt. Männer der Stunde waren Eduard Brenner, erster neuer Rektor der Nürnberger Institution und Rektor der Erlanger Universität, und Georg Bergler, der zusammen mit Wilhelm Vershofen die Gesellschaft für Konsumforschung neu errichtete. 1946 erhielt die Handelshochschule ihren früheren Namen „Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ zurück. Zum Wintersemester 1946/47 nahm die Hochschule den Vorlesungsbetrieb als Gast in der Frauenklinik und im Schulhaus Adam-Kraft-Straße auf. Die Rückkehr in das Gebäude Findelgasse 7 erfolgte nach dem Wiederaufbau 1952. 1955 wurde das Gebäude durch den Neubau Findelgasse 9 erweitert.


1961 – Fusion mit der FAU

Der 1955 eingeweihte Erweiterungsbau

Der 1955 eingeweihte Erweiterungsbau

Zur Optimierung der Forschungs- und Lehrtätigkeit wurde die Hochschule am 01. Januar 1961 unter Beibehaltung des Nürnberger Standortes als Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität angegliedert. Damit stellte die „WiSo“ die 6. Fakultät der FAU dar. Zudem trägt die Universität seitdem die Ortsbezeichnung „Erlangen-Nürnberg“. Zu Beginn der sechziger Jahre erlebte die Universität einen rasanten Anstieg an Studierenden, dessen „Überlast“ bis zum Ende des Jahrzehnts andauerte.


1970 – WiSo wird größte Fakultät der FAU

Gemäß der stetig steigenden Studierendenzahlen, war die WiSo 1970 die größte Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität. Mit der wachsenden Beliebtheit des Nürnberger Standorts der FAU und dem damit verbundenen Raumproblem, wurde 1972 mit den Bauarbeiten für das Universitätsgebäude auf dem Grundstück der ehemaligen Tucherbrauerei in der Langen Gasse, Nürnberg, begonnen. Dieser erste Bauabschnitt wurde 1977 fertig gestellt.


Seit 1975 – Weltweit vernetzt, lokal verbunden

Das Hochschulgebäude an der Langen Gasse (1979)

Das Hochschulgebäude an der Langen Gasse (1979)

Internationalität und Interdisziplinarität werden an der WiSo groß geschrieben. Seit 1975 nahm die Ausrichtung der Fakultät in den beiden Disziplinen zu. Daneben steht die Forschung an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät an oberster Stelle. Seit den 80er Jahren ist diese federführend im Bereich der Wirtschaftsinformatik. 1991 wurde schließlich der interdisziplinäre Diplom-Studiengang „Wirtschaftsinformatik“ eingeführt. Der Fokus auf Internationalität wurde 1993 durch die Einführung des ERASMUS-Programms, das den Austausch zwischen Studierenden der WiSo und europäischen Universitäten fördert, betont. Zudem erfolgte im Rahmen der Internationalität 1997/1998 die Ergänzung des Studienangebots durch den deutschlandweit ersten Studiengang in Internationaler BWL.


2001 – Die „WiSo“ wächst

Erweiterung an der Langen Gasse (2004)

Erweiterung an der Langen Gasse (2004)

Im Jahr 2001 begonnen Umbaumaßnahmen an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät zur Erweiterung der Räumlichkeiten in der Langen Gasse. 2004 wurde der Neubau mit zwei neuen Hörsälen, PC-Räumen und mehreren Lehrstuhlräumlichkeiten fertig gestellt. Außerdem konnte die WiSo durch den GfK-Verein den Hörsaal H3 renovieren. Doch nicht nur räumlich entwickelte sich 2004 die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät weiter. Zur Ergänzung des Studienangebots wurde in diesem Jahr der MBA-Weiterbildungsstudiengang Business Management eingeführt.


2006 – Umbruch im Studiensystem

Lange im Gespräch und 2006 endlich durchgesetzt: Der Bologna-Prozess sorgte für einen Umbruch im Studiensystem. Die bis dahin bestehenden Diplomstudiengänge laufen aus und wurden durch die Bachelor- und Masterregelung ersetzt. Im Wintersemester 2006/2007 starteten an der WiSo die neuen Bachelorstudiengänge „International Business Studies“, „Wirtschaftswissenschaften“ und „Sozialökonomik“. Mit deren Einführung wurde das Qualitätsmanagement an der WiSo zur Verbesserung der Lehre ausgebaut.


2007 – Ein neuer Name für eine bestehende Institution

Hochschulgebäude in der Langen Gasse

Hochschulgebäude in der Langen Gasse

Ursprünglich als Nürnberger Handelshochschule gestartet, trug die Institution in der Findelgasse/Langen Gasse während ihres Bestehens schon einige Namen. 2007 wurde die WiSo erneut umgetauft: Am 01. Oktober 2007 wurde aus der WiSo der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften in der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.


2009 – Startschuss für die Masterstudiengänge

Nach der Einführung der Bachelorstudiengänge, starteten drei Jahre später im Wintersemester 2009/2010 die Masterstudiengänge am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Die Studierenden können seitdem aufbauend auf einem vorher abgeschlossenen Bachelorstudium zwischen den neun Masterstudiengängen „Arbeitsmarkt und Personal“, „Economics“, „Finance, Auditing, Controlling, Taxation (FACT)“, „International Information Systems (IIS), „International Business Studies (MIBS)“, „Management“, „Marketing“, „Sozialökonomik“ und „Wirtschaftspädagogik“ wählen.


2013 – Ausgezeichnet: Der Fachbereich WiSo wird teilsystemakkreditiert

Teilsystemakkreditierung des Fachbereichs (2013)

Teilsystemakkreditierung des Fachbereichs (2013)

Am 26. Juni 2013 erhielt der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften eine ganz besondere Auszeichnung: die Teilsystemakkreditierung. Dabei liegt der Fokus der externen Gutachter auf dem Qualitätsmanagementsystem der Lehre. Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften konnte durch seine Qualifikationsziele in den Studiengängen das Gremium überzeugen. Besonders die Mitarbeit der Studierenden war hierfür wichtig: Ihre studentische Ansichtsweise ist für die Arbeit in den Qualitätszirkeln der einzelnen Studiengänge und für die jährlichen Bachelor- und Masterumfragen essentiell. Für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften stellte die Teilsystemakkreditierung einen Meilenstein in der Wettbewerbsfähigkeit zu anderen Hochschulen dar.


2015/2016 – Chancen nutzen: Studieren am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

Zum Wintersemester 2015/2016 wurde das Angebot der Masterstudiengänge um den Master „Gesundheitsmanagement und Gesundheitsökonomie“ erweitert.


Heute und in Zukunft

Der als Nürnberger Handelshochschule mit einer überschaubaren Studierendenanzahl gestartete Fachbereich Wirtschaftswissenschaften umfasst derzeit mehr als 6.000 Studierende in mehr als 20 Studiengängen und vier Weiterbildungsstudiengängen, die von 45 Professorinnen und Professoren sowie den wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern organisiert/betreut werden. Zudem bieten  der Career Service, das Rechenzentrum, das Sprachenzentrum, das International Office und zahlreiche Initiativen eine Vielfalt an Serviceeinrichtungen , die zur Attraktivität des Studiums am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften in der Metropolregion Nürnberg beitragen.