Neue Publikation des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Controlling im European Accounting Review: Zwischenbetriebliche Kooperationen und Kapitalmarktperformance im Fokus

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Der Lehrstuhl für Rechnungswesen und Controlling freut sich über eine neue Veröffentlichung im renommierten European Accounting Review (VHB A, 5-Year Impact Factor 4,3). In der empirischen Studie „Interfirm cooperation and capital market performance: automated textual analysis of voluntary disclosures in Form 10-Ks“ untersuchen Dr. Dominik Zink (ehem. wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl), Prof. Dr. Thomas M. Fischer (Lehrstuhlinhaber) und Dr. Sebastian Gaschler (BMW AG, ehem. wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl) die Auswirkungen von freiwilligen Publizitätsangaben über zwischenbetriebliche Kooperationen auf die Kapitalmarktperformance von US-amerikanischen Unternehmen.

Relevanz und theoretischer Hintergrund

In einem von Volatilität und Unsicherheit geprägten Geschäftsumfeld gewinnen Kooperationen zwischen Unternehmen, auch über Branchengrenzen hinweg, zunehmend an Bedeutung. Solche zwischenbetrieblichen Kooperationen (Interfirm Cooperations, IFCs) sind allgemein informelle Vereinbarungen, die nicht auf Kapitalbeteiligungen basieren und in der Regel von einer kleinen und begrenzten Anzahl unabhängiger Unternehmen geschlossen werden, um individuelle, kompatible sowie gemeinsame Ziele zu verfolgen. Aktuelle Beispiele hierfür sind die Partnerschaft von Caterpillar mit Nvidia zur Integration von KI in Maschinen und Fertigungssystemen oder die Zusammenarbeit von 3M und Microsoft zur Weiterentwicklung der Infrastruktur von Rechenzentren. In diesen und vielen weiteren Fällen erhalten die Partner Zugang zu den Ressourcen, Fähigkeiten und dem Wissen des jeweils anderen Unternehmens. Dadurch können sie ihre Wettbewerbsposition stärken und somit ihren Fortbestand langfristig sichern. 

Da für IFCs bislang keine verbindlichen Offenlegungspflichten existieren, entscheiden Unternehmen freiwillig über deren Berichterstattung. Ausgehend von der sogenannten Signalling-Theorie postulieren die Autoren einen nichtlinearen Zusammenhang mit der Kapitalmarktperformance von Unternehmen: Während eine moderate Ausweitung der freiwilligen Berichterstattung von IFC-Informationen zunächst vorteilhafte Effekte erzielt, kann ein zu hoher Umfang nachteilige Effekte bewirken, unter anderem aufgrund einer Informationsüberflutung der Investoren.

Methodik und empirische Ergebnisse

Zur Überprüfung dieser Hypothese untersuchen die Autoren die Form 10-K-Berichte von 208 US-amerikanischen Unternehmen aus dem Standard & Poor’s (S&P) 500-Aktienindex für den Zeitraum von 2008 bis 2020. Mithilfe eines regelbasierten Ansatzes der automatisierten Textanalyse wird eine neue Messgröße für den Umfang der freiwilligen Publizität von IFC-Informationen erhoben. Die Analysen bestätigen die vermutete nichtlineare Beziehung.

Fazit für Forschung und Praxis

Insgesamt zeigt die Studie die Wertrelevanz freiwilliger IFC-Angaben für Anleger auf und identifiziert im Gegensatz zu früheren Forschungsarbeiten hierbei nichtlineare Effekte. Für die Unternehmenspraxis verdeutlicht dies, dass eine ausgewogene Offenlegungsstrategie die Kapitalmarktperformance von Unternehmen positiv beeinflussen kann, insbesondere im Vergleich zu einem sehr geringen oder übermäßigen Umfang offengelegter Informationen.

Die vollständige Studie ist im European Accounting Review veröffentlicht und unter diesem Link per Open Access frei abrufbar.